Geschichte des Ortes – Zeittafel -

Armand Pouille "Klietz 1945 - Die Lebensunlust der Nachkriegsjahre" (Deutschsprachiger Teil)

Klietz Damals und Heute

Klietz im letzten Kriegsgeschehen 1945

Klietz und die WASAG (Erinnerungen eines Klietzer Bürgers)

Zwischen

200 und 250

u.Z.

 

 

 

 

 

Der mächtigste Stamm der Sueben, die Semnonen, verlassen ihr Siedlungsgebiet, unsere Heimatlandschaft, in südwestliche Richtung. Es folgten die Wenden – ein slawischer Volksstamm. Das waren die Elbslawen oder Polaben (po = an; labe = Elbe). In unserer Gegend war das der Stammesverband der Wilzen oder Lutizen, insbesondere aber der Redarier, die um 900 zwischen Havelberg und Jerichow siedelten.

Die Wenden hatten ihr Gebiet in Gaue eingeteilt. Das Klietzer Land gehörte zum Gau Liezizi, der das Gebiet zwischen Elbe, Havel und Stremme umfasste. Karl der Große bemühte sich, diesseits der Elbe das Land zu unterwerfen und das Christentum hier einzuführen. Aber die Slawen leisteten Widerstand und befreiten sich wieder.

946

 

Kaiser Otto I. gründet das Bistum Havelberg und 946 das Bistum Brandenburg. Es erfolgte die erste Christianisierung des Wendenlandes, und der Gau Liezizi wurde zinsbar. 

983

Großer Slawenaufstand

1134

 

Albrecht der Bär wird mit der Nordmark (heute Altmark) belehnt. Dazu gehörte auch der Gau Liezizi rechts der Elbe.

1144

Erste urkundliche Erwähnung von Klietz als Burgwart

um 1200

 

 

 

Bau der Klietzer Kirche und dem Bau des Elbdeiches durch flämische Siedler. Der Name Klietz ist slawischen Ursprungs und von dem polawischen Wort Klese abgeleitet. Andere Schreibweisen lauten: Clitze, Clytze, Klietzze und Klytzezin.

Geschichtlicher Zeuge dieser Zeit ist außerdem der Burgwall als Wehranlage, der sich am Ostufer des kleinen Klietzer Sees befindet.

1354

 

Das Ländchen Klietz kommt nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof von Havelberg und dem Magdeburger Erzbischof zum Erzbistum Magdeburg.

1377

Schwere Brandschatzungen durch die Puttlitz’ und Quitzows.

1420

 

Hans von Puttlitz plündert das Dorf Klietz, nachdem er zuvor Sandau erobert hatte. Der Ort musste sich mit 12 Tonnen Bier = 1.374 Liter und einem Schock Groschen loskaufen.

1475

 

 

Neue Plünderung und Brandschatzung durch die Quitzows. Es brannten 1 1/2 Schock Wohnhäuser mit 200 Bienenstöcken ab. Gestohlen wurden 7 Schock Kühe, 6 Schock Schweine, 90 Pferde und 26 Schock Schafe.

1540

Die Reformation hielt auch in Klietz Einzug.

1626

Der Ort wird durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly in Brand gesteckt.

1777 - 1780

Urbarmachung des Trübenbruchs, Ansiedlung von 7 Soldatenfamilien.

1782

 

Klietz wird ein zum Amt Sandau gehöriges Dorf, mit einem Amtswart und Feldhüter Kamp. Es besaß damals 2 Grützmühlen, 2 Rossölmühlen, 1 Windmühle und 105 Feuerstellen.

1806

 

Der französische Marschall Soult kommt mit seinen Truppen durch Klietz und verlangt Kontribution.

1813

Das Lützowsche Freikorps zieht durch Klietz, im gleichen Jahr kamen auch Kosaken­verbände.

1842

 

Die Genthin-Hamburger Kunststraße bis Klietz wird fertig gestellt. Das ehemalige Pflaster der Sandauer Straße stammte noch aus dieser Zeit.

1853

Die Postexpedition wird von Scharlibbe nach Klietz verlegt.

1870/71

Im Krieg fielen drei Bürger des Ortes

1901

 

Die Gemeinde Klietz baut eine Ausladestelle an der Arneburger Fährstelle. Ein Jahr später wird in Klietz die Ländliche Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. gegründet. 

1909

erhält Klietz einen Bahnanschluss

1914 - 1918

21 Männer aus Klietz fallen im Ersten Weltkrieg.

1917

 

Am 30. Mai ereignet sich erneut ein großer Dorfbrand. In 4 Stunden fallen 43 Gebäude den Flammen zum Opfer. 3 Menschen fanden den Tod.

1920

Errichtung eines Gedenksteins für die Opfer des l. Weltkrieges unter den Friedenseichen.

1923

 

Klietz wird an das  Elektrizitätsnetz angeschlossen. Im gleichen Jahr erfolgt die Gründung der Land- und Weidengrabengenossenschaft. Der Weidengraben von Schönhausen zum Scharlibber See und der Landgraben wurden ausgebaut.

1932

Ein neues Schulhaus wird gebaut (Heute: Forststraße 1)

1934

 

 

 

 

Baubeginn für das Sprengstoffwerk. Man pflasterte die Straßen zum Tor l (heute Seestraße und Trübenweg) und zum Tor 2 (heute Forst- und Rathenower Straße) sowie den Kirchplatz. Es entstanden ein Verschiebebahnhof mit 5 Gleisen und eine in das Werk führende Bahn.

Ab 1934/35 erfolgte der Bau der Seesiedlung und des Frauenlagers. 1936 wurde der l. Bauabschnitt eingeweiht. 1937 hatte das Werk 2.000 Beschäftigte.

1936 Beginn der Pulverproduktion (Kapazität 1900 t/Monat; 1944 24000 t/Jahr)

1940 - 1943

 

Bau der Mahlitzer Siedlung (heute Friedenssiedlung). Neben Wohnhäusern entstanden eine Wäscherei und eine Konsumverkaufsstelle. Ein Kulturhaus für 800 Personen wurde im Rohbau fertig.

1945

 

 

Im April/Mai waren im Raum Klietz letzte Kämpfe des 2. Weltkrieges. Am 20. April fand ein Bombenangriff auf Klietz statt, es gab starken Artilleriebeschuss. Nach Kriegsende erfolgte allgemein der Wiederaufbau. Ende der Pulverproduktion und Demontage der Anlagen bis 1953. Ein Teil der Wohnsiedlung und die Verwaltungsgebäude werden Kaserne für Einheiten der Sowjetarmee.

1948

Das ehemalige Verwaltungsgebäude im Walde wird von der Sozialversicherung genutzt und ist bis 1956 Lungenheilstätte

1949

 

Als Vorläufer der späteren Maschinen- und Traktorenstation (MTS) und des bis 1990 existierenden Kreisbetriebes für Landtechnik (KfL) wird die Maschinenausleihstation (MAS) errichtet.

1950

In Klietz wird ein Kindergarten eröffnet.
1950 - 1956 Polizeieinheiten und die Kasernierte Volkspolizei der DDR (KVP) sind Nutzer der Kaserne nach dem Abzug der Sowjetarmee.
1951 - 1953

 

wird im Kasernenbereich eine Offiziersschule der Pioniertruppen unterhalten. Der Erprobungs- und Schießplatz des einstigen Sprengstoffwerkes wird erweitert und ausgebaut. Eine Kommandantur wird eingerichtet.

1953

 

Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG).

Auch in Klietz fanden am 18. Juni Demonstrationen gegen die Politik der DDR-Regierung statt.

1955

Das neu erbaute Landambulatorium wird übergeben.

1956

Eröffnung einer Kinderkrippe.
1956

 

Die Kaserne wird von mehreren Truppenteilen der Nationalen Volksarmee (NVA) genutzt. Ein großer Truppenübungsplatz mit zwei Wasserübersetzstellen (Havel und Elbe) entsteht. Aus einer Oberförsterei entsteht der Militärforstbetrieb der NVA Klietz.
1957

 

Eine Lehreinrichtung (Waldschule, Klietz II, Militärwissenschaftliches Institut) wird in der ehemaligen Lungenheilstätte errichtet. Ausbildung von Offizieren für die militärische Aufklärung und den militärdiplomatischen Dienst.
1960 Unter Leitung von Lehrer Heinz Schirmer wird das Klietzer Pionierblasorchester aufgebaut.
1969

 

Aufbau einer Kooperationsproduktion (36 Personen) für die Herstellung Induktiver Bauteile für das Fernsehgerätewerk Staßfurt und Tonfunk Ermsleben.

Einrichtung der Waldschänke auf dem Festplatz.

1970 Der Wohnungsbau in der Forststraße beginnt.

1972

Der Neubau der noch heute existierenden Schule wird fertig gestellt.
1973 Aufbau einer Hühner-Intensivhaltung im Militärforstwirtschaftsbetrieb (MFB) 44 Personen, Jahreseierproduktion 8.527.000 Stück

1976

Die Umgehungsstrasse (heutig B 107) wird am 16. September  übergeben.
1979 Aufbau eines Sägewerkes und einer Tischlerei im MFB (24 Beschäftigte)

1988

Drei Wohnblöcke mit 110 Wohnungen in der Ringstrasse werden gebaut.

1989

Im November gründet sich eine Bürgerinitiative.

1990

 

 

Das Landambulatorium wird in ein Ärztehaus umgewandelt, es erfolgten Erweiterungen und Neugründungen von Unternehmen in Handwerk, Gewerbe und im Dienstleistungssektor. Die meisten Strassen werden saniert.

1992

Bau des Abwassersystems im Dorf.

1993

Neuschaffung und Sanierung von Wohnungen in der Ringstraße.

1996

Umbau des ehemaligen KfL-Verwaltungsgebäudes zum Schullandheim.

1998

Neubau eines Feuerwehrgerätehauses

1999 - 2003

Rathaussanierung
2001 Eröffnung "Elke's Schlemmer-Eck" (jetzt "Zur Alten Tanke") an der geschlossenen Tankstelle

2003

 

Der Landgasthof „Zum Seeblick“ wird eröffnet.

Der traditionelle Klietzer Festplatz wird neu gestaltet

2004

Nach mehrjähriger Sanierung wird die alte Klietzer Bockwindmühle fertig gestellt.

2005

Das Schullandheim wird aufgestockt und auf 50 Betten erweitert.

 

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Klietz im letzten Kriegsgeschehen 1945

 

Die letzten Tage des Kriegsgeschehens in Klietz waren besonders schlimm und können mit den vielen Ereignissen hier nur annährend und in groben Zügen dargestellt werden.

Man konnte es nicht glauben, dass in Klietz, auch vor allem durch die Elbnähe, ein Teil des 2. Weltkriegs mit ei­nem aussichtslosen Kampf beendet werden sollte.

In den letzten Wochen vor Kriegsende waren die Amerikaner und Engländer immer näher zur Elbe vorgestoßen. Das war am 12. April 1945. Sie hatten Arneburg besetzt.

In Klietz waren deutsche Soldaten stationiert, die teilweise im Wald bei Mahlitz mit Geschützen zurückversetzt in Richtung Arneburg schössen. Die Flack, die im Feld aufgestellt war, hatte ihre Arbeit zur Flugabwehr eingestellt. Die Depots von Tangermünde waren aufgelöst. Die Tangermünder Brücke wurde gesprengt.

In Klietz waren Panzersperren aus großen Baumstämmen errichtet worden, von denen nur eine in der jetzigen Rathenower Straße geschlossen wurde.

Am 14. April in der Mittagsstunde er­folgte die erste Beschießung des Ortes Klietz von Arneburg aus. Die Granaten richteten Schäden insbesondere in der Sandauer Straße und nahe der Kirche an. Das Kesselhaus im Werk wurde ge­troffen, die eigentlichen Werkanlagen wurden nicht beschossen. Ein Teil der Klietzer Bevölkerung war in Orte Richtung Schollene geflüchtet.

Am 20. April erfolgte in Klietz eine Flaggenhissung, die Ursache eines Einsatzes feindlicher Flieger wurde.

17 Flugzeuge überflogen in den Abendstunden unseren Ort und schossen mit ihren Bordwaffen auf Häuser und Straßen. Durch weiteren Bombenabwurf entstanden große Schäden und Brände. Gehöfte gingen in Flammen auf; das Vieh verbrannte. Von den brennenden Scheunendächern flogen die Ruß- und Aschereste mit dem Wind über 10 km in Richtung Schollene. Am 27. April stellten die Amerikaner den Beschuss des Dorfes ein.

Aus dem Osten rückten die russischen und polnischen Truppen immer näher.

Ein endloser Strom von Flüchtlingen auf Pferdewagen und zu Fuß durchzog Klietz in Richtung Elbe. Tausende von Menschen wollten sich über die Elbe retten. Die Amerikaner hatten eine Notbrücke (Schlauchbrücke) errichtet. Aber zu dem Flüchtlingsleid kam hinzu, dass die Menschen an der Elbe Pferd und Wagen, mitgebrachtes Hab und Gut zurücklassen mussten. Hunderte oder Tausende kamen in den Fluten um. Da die Ostfront immer dichter nahte, verließen viele Klietzer den Ort und suchten Schutz auf dem Feld, in Koppelställen in Richtung Elbe und in der Heide nach Scharlibbe.

In Arneburg war schon Frieden, und man erinnert sich, dass dort jetzt die Glocken zu hören waren.

Klietz stand noch viel bevor. Eine Rückkehr nach Klietz war vorerst für die Menschen nicht mehr möglich, weil die Kämpfe in aller Härte entbrannten.

Am 4. Mai lag die feindliche Kampffront in der Nähe des Dorfausgangs nach Scharlibbe und in der Mahlitzer Siedlung.

Die deutschen Einsatzkräfte (vor allem junge Menschen) verteidigten den Ort mit Geschützen und Gewehren. Vor al­lem die Kirche und die umliegenden Gehöfte erlitten durch die feindlichen Granaten weitere schwere Schäden. Viele Soldaten kamen im sinnlosen Kampf um.

Nach dreimaligem Ansturm am 5. und 6. Mai wurde der Ort besetzt. Nach Kriegsende kamen die Einwohner wieder in den Ort. Viel Hab und Gut war verloren. Menschenleben waren zu beklagen. Viele Männer waren aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Die russische Besatzungsmacht machte ihre Rechte geltend. Viele Tote, die nur not­dürftig unter die Erde gebracht waren, mussten zur letzten Ruhestätte umgebettet werden.

Von den Dörfern des damaligen Kreises Jerichow II hatte Klietz die meisten Kriegsschäden aufzuweisen. Total zerstört waren:! Kirche, 15 Wohngebäude, 13 Ställe, 5 Stallscheunen, 7 Scheunen und 40 Wohnungen. Schwer beschädigt waren 30 Wohnungen und 2 Schulen. Hinzu kamen die Schäden an Straßen, elektrischen Leitungen usw.

Klietz hatte mehrere Bombentrichter. In Klietz wurde eine russische Kommandantur errichtet. In einem Durchgangslager waren etwa 20.000 polnische und russische Personen untergebracht. Die beiden Siedlungen mussten vollständig geräumt werden. Der Saal der Gaststätte wurde in eine russische Bäckerei umgebaut. Die Wohnungen waren überbelegt durch die Zwangseinweisungen. Es gab Häuser, in denen in jedem Zim­mer eine Familie wohnte. Typhus und andere ansteckende Krankheiten traten auf, aber eine Epidemie konnte verhindert werden. Trotz der schwierigen Verhältnisse begannen die Bewohner, die Kriegsschäden wieder, zunächst nur provisorisch, zu beseitigen.

Durch den Einsatz von über 1.000 deutschen Arbeitskräften wurde im November die Demontage des Werkes angeordnet. Neue politische Verhältnisse wurden geschaffen. Enteignungen sollten durchgeführt werden; 2 Höfe unterlagen der Bodenreform.

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Klietz und die WASAG (Erinnerungen eines Klietzer Bürgers)

 

Wir schreiben das Jahr 1933. Sommerliche Wärme brütet über dem großen Waldgelände von Klietz.

Gerüchte schwirren in der Bevölkerung. Im Wald und auf dem Heidegelände am See (heute Seesiedlung) wurden Trupps beobachtet, die mit Meßlatten und Boh­rern arbeiteten. Fragen an den Bürgermeister Fritz Wels bleiben unbeantwortet. Niemand ahnt, dass ein Jahr später bereits große Baufirmen (Hoch- und Tiefbau, Beton- und Montierbau wie Fa. Bierstädt aus Tangermünde z.B.) ihre Arbeit aufnehmen werden.

Ab 1934 setzt reges Leben ein. Baustoffe rollen über Straße und Schiene.

Bei Hohengöhren wird Kies in kleinen Mengen abgebaut. Der stille Winkel zwischen Elbe und Havel erwacht aus sei­nem Domröschenschlaf.

Klietz, einst ein begehrter Erholungsort für jüdische Familien aus Berlin, wird über Nacht zu einem Industriestandort. Bauherr der Baustelle "Bismark" ist die WASAG. Es geht mit atemberaubendem Tempo voran. Straßen werden gepflastert, ein betonierter Weg zur Fährstelle nach Arneburg angelegt und ein 5-gleisiger Verschiebebahnhof gebaut (heute Umgehungsstraße B 107).

Tag und Nacht arbeiten Dampframmen für den Bau der Kessel- und Maschinenhäuser. Massive Unterkunftsbaracken für die Bauarbeiter werden errichtet ("Heidekrug" und "Seeblick"). Das Geschäftsleben blüht auf. Die Einwohnerzahl steigt von 650 (1930) auf 1.200 (1938) und 1.669 (1939) Einwohner. Im Sommer 1936 wird der erste Bauabschnitt durch den Generalfeldmarschall von Blomberg und den Generaloberst von Fritsch in Anwesenheit weiterer ho­her Persönlichkeiten eingeweiht.

Aus der WASAG wurde, als Tochterge­sellschaft des IG Farbenkonzerns, die Deutsche Sprengchemie GmbH. Die Größe des Werkgeländes betrug letztlich 14.000 Morgen = 3.500 ha. Als Arbeitskräfte kamen zunächst Stammarbeiter aus Haltern und Reinsdorf. 1938 waren es Österreicher. Während des Krieges waren so ziemlich alle Europäer vertreten (Flamen, Franzosen, Polen, Weißrussen, Ukrainer, Italiener und kriegsgefangene Russen). Untergebracht wur­den sie in einem Männerlager für etwa 1.300 Männer, einem Frauenlager für 800 Frauen, einem Barackenlager am Ende des Sees für Italiener und einem weiteren Lager im Werksgelände.

In Klietz entstanden 2 Siedlungen; die Seesiedlung etwa 1936/37 bis 1938 und in dieser Zeit auch eine Werksiedlung in Schönhausen, dem Geburtsort des Altreichskanzlers Otto v. Bismarck. Die Mahlitzer Siedlung (heute Friedens­siedlung) wurde als Siedlung kinderreicher Familien durch eine Siedlungsge­sellschaft gebaut.

Ein Kulturhaus für 800 Personen, mit dreh- und versenkbarer Bühne im Rohbau fertiggestellt, wurde 1945 abgerissen. Eine Wäscherei mit Heißmangel fiel wieder der Spitzhacke zum Opfer.

Ebenso wurde eine Konsumverkaufsstelle abgerissen. Das Kellergeschoss für ein Krankenhaus verschwand ebenfalls, und auf der Betonwanne des Wirtschaftsgebäudes für das Krankenhaus wurde das Landambulatorium errichtet. Die massiven Baracken des "Seeblicks" dienten lange Jahre als Schulgebäude, woran sich ehemalige Schüler noch er­innern.

Im Werk selbst wurde gebaut und gearbeitet bis zu dem Augenblick, als Sol­daten der l. Polnischen Armee im Verband mit der Roten Armee das Werk erreichten. Als Trophäengut der Roten Armee wurde es demontiert und die Produktionsstätte gesprengt. Viele Halterner Bürger werden sich noch an ihre ehemalige Heimat erinnern:

an die Badestelle, die Gaststätten Ewald Baak, Alwin Herms und Walter Scholz-Back, die Fleischereien Ernst Schulz und Ewald Heise, die Bäckereien Erwin Schulz, Reinhard Sachse und Walter Kurth, die Textilgeschäfte von Hermann Seeger und Karl Krause, die Schuh­geschäfte von Willy Hartwich und Wilhelm Wetter, die Schmiede von Adolf Fester mit Shell-Tankstelle und Julius Besecke.

Vieles existiert nicht mehr, ist längst verschwunden oder hat sein Gesicht vollständig verändert.

Aber ein Volk ohne Geschichte ist wie ein Mensch ohne Gedächtnis. Darum erinnern wir uns und übertragen unsere Erinnerungen unseren Kindern und Enkeln.

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